Sehr geehrter Herr Vogel,
vielen Dank für Ihr Schreiben sowie für Ihre fortwährende Aufmerksamkeit und Ihr Engagement für die Entwicklung unserer städtischen Grünflächen.
Die von Ihnen angesprochenen Themen beschäftigen uns bereits seit mehreren Jahren intensiv. Vor dem Hintergrund des Klimawandels, zunehmender Trockenperioden und das Anliegen nach mehr Biodiversität wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen eingeleitet und schrittweise weiterentwickelt.
So hat die Stadtgärtnerei bereits auf vielen geeigneten Flächen den Mährhythmus angepasst. Zahlreiche Grünflächen werden heute deutlich extensiver gepflegt als noch vor einigen Jahren. Dabei werden insbesondere Rand- und Wegebereiche regelmäßig gemäht, während größere Flächen bewusst länger stehen bleiben, um die Entwicklung einer artenreicheren Vegetation zu fördern und Lebensräume für Insekten und andere Tiere zu schaffen.
In straßennahen Bereichen sind jedoch weiterhin regelmäßige Mäharbeiten erforderlich. Hier stehen insbesondere die Verkehrssicherheit sowie die Freihaltung von Sichtbeziehungen für alle Verkehrsteilnehmer im Vordergrund. Diese Arbeiten werden sowohl von der Stadtgärtnerei als auch vom städtischen Bauhof durchgeführt und sind unverzichtbarer Bestandteil einer sicheren Verkehrsführung.
Auch bei der Auswahl der Pflanzen für Blumeninseln und Beetflächen verfolgt die Stadt konsequent einen nachhaltigen Ansatz. Es werden ausschließlich Arten und Sorten verwendet, die längere Trockenperioden gut vertragen und an die veränderten klimatischen Bedingungen angepasst sind. Dadurch kann der Bewässerungsbedarf auf das notwendige Maß beschränkt werden.
Darüber hinaus hat die Stadtgärtnerei in den letzten Jahren zahlreiche Blumenwiesen neu angelegt. Diese Flächen werden kontinuierlich erweitert und leisten einen wichtigen Beitrag zur Förderung der Artenvielfalt sowie zur ökologischen Aufwertung des Stadtbildes.
Ihre Hinweise zu den von Ihnen genannten Flächen im Bereich der Kubinstraße und der Passavia werden wir selbstverständlich an die zuständigen Fachstellen weitergeben und im Rahmen der laufenden Pflege- und Entwicklungsmaßnahmen berücksichtigen. Dabei gilt es stets, die unterschiedlichen Anforderungen von Ökologie, Verkehrssicherheit, Pflegeaufwand und Stadtbild in einen ausgewogenen Einklang zu bringen.
Ich danke Ihnen für Ihre Anregungen und Ihr Interesse an der Entwicklung unserer Stadt.
Mit freundlichen Grüßen
Andreas Rother
Oberbürgermeister
Die Post kam vielleicht nicht ganz zufällig, so musste ich umgehend antworten:
Sehr geehrter Herr Rother,
vielen Dank für Ihre ausführliche Antwort.
Allerdings muss ich Ihnen sagen, dass ich Ihre Zeilen heute mit gemischten Gefühlen lese. Während ich diese Nachricht lese, werden hier vor meinen Augen im Park sowie auf weiteren Grünflächen in unmittelbarer Umgebung Mäharbeiten durchgeführt.
Genau diese aktuelle Beobachtung ist auch der unmittelbare Anlass für meine Rückmeldung.
Genau das macht es für mich schwer, die beschriebenen Bemühungen um Klimaanpassung und den Erhalt von Grünflächen nachzuvollziehen. Wir stehen unmittelbar vor einer angekündigten Hitzeperiode, und ausgerechnet jetzt werden die Flächen zurückgeschnitten.
Die Frage, die sich mir seit Jahren stellt, lautet daher nicht, ob die Stadt die Herausforderungen des Klimawandels erkannt hat. Die Frage lautet vielmehr, warum solche Eingriffe immer wieder zu Zeitpunkten stattfinden, an denen die Vegetation besonders unter Hitze und Trockenheit leiden wird.
Ich würde Sie deshalb bitten zu prüfen, ob diese Arbeiten in der aktuellen Situation tatsächlich erforderlich sind und ob gegebenenfalls noch Einfluss auf die weitere Durchführung genommen werden kann.
Gerne stehe ich auch für ein persönliches Gespräch mit den zuständigen Stellen zur Verfügung. Nach vielen Jahren des Austauschs per E-Mail halte ich einen direkten Dialog inzwischen für sinnvoller.
Mit freundlichen Grüßen
Christian Vogel
Tatsächlich wirkten dann aber alle Arbeiten auf einmal wie abgeschlossen, die Sense war wieder verräumt und niemand mehr zu sehen. So war ich als Zwillinge-Geborener natürlich recht schnell fast schon begeistert und wollte damit auch nicht hinterm Berg halten:
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Rother,
verzeihen Sie, wenn ich Ihre kostbare Aufmerksamkeit mit einem erneuten Schreiben in so kurzer Abfolge in Anspruch nehme.
Nach der ersten – durchaus verständlichen – Aufregung scheint sich die Lage vor Ort nun deutlich beruhigt zu haben. Die stattgefundenen Eingriffe hier unmittelbar vor meiner Haustür im Bereich des Röhr-Weiher-Parks erscheinen nach näherer Betrachtung tatsächlich sehr überschaubar. Ich möchte daher nicht zögern, Ihnen und den verantwortlichen Stellen dafür meinen ausdrücklichen Dank auszusprechen.
Auch wenn ich dies in der Vergangenheit bereits mehrfach angesprochen habe und es möglicherweise wie eine Binsenweisheit klingt: Es geht dabei nicht um mich, sondern um uns alle und um die überragende Frage, wie wir in unserer schönen Stadt mit den Herausforderungen des Klimawandels umgehen und Passau nach Kräften klimaresilient gestalten können.
Ich bin überzeugt, dass viele Bürgerinnen und Bürger bereit wären, hierzu auch persönlich einen Beitrag zu leisten. Deshalb würde ich mir wünschen, dass der seit vielen Jahren – insbesondere über den Bürgermelder – geführte Austausch künftig auch die Chance erhält, sich zu einem direkten Bürgerdialog mit der Stadt weiterzuentwickeln, in welcher Form auch immer.
Nochmals herzlichen Dank für Ihre ausführliche Antwort, für Ihre Zeit und für die Aufmerksamkeit, die Sie diesem Thema widmen.
Ihnen und Ihrem Team wünsche ich alles Gute.
Mit freundlichen Grüßen
Christian Vogel
Aber, aber ... wie schon angedeutet: Es war leider nur ein schmerzhafter Trugschluß, denn die Arbeiten wurden dann mit deutlich angezogener Intensität fortgeführt und ja, wir nähern uns dem Bild "Alle Jahre wieder" und was so oder so seine Richtigkeit hat: Höchst bedauerlicherweise hat die Stadtgärtnerei ein regelrechtes "Händchen" dafür entwickelt, derlei Maßnahmen gerne zu einem Zeitpunkt umzusetzen, der als denkbar ungünstigster bezeichnet werden kann. Denn seit Tagen wird vor einer anstehenden Hitzeperiode mit Temperaturen über 30° gewarnt, genau morgen, Donnerstag, der 18.Juni wäre laut Wetterbericht der Start dieser extremen Wetterlage über mehrere Tage. Da wird die Sonne hier und da wieder leichtes Spiel haben und für sattsam bekannte Ödflächen sorgen.
Wir brauchen nicht weniger, sondern mehr Grün, das damit ggf. einhergehende Bild einer "neuen Wildnis" ist vergleichsweise milde und doch gern als neue Frische auch hübsch anzuschauen. Die Alternative wird allerdings recht kompromisslos eine weitere Verschlechterung unserer ohnehin schon belasteten Atemluft in Passau bedeuten.
Danke fürs Lesen.
lgc
P.S.: Schreibt gerne auch mal "ein passendes Sätzchen" an das Rathaus, vielleicht Umweltamt, vieleicht auch ein Eintrag in den Bürgermelder. Ich fühle mich nicht selten wie ein "einsamer Rufer in der Wildnis" ... leider nicht die Wildnis, die ich mir ja wünschen würde !! ;)
P.P.S.: Das Foto von heute zeigt einen Mitarbeiter der Stadtgärtnerei in unserem Park, davor ist die Sense zu erkennen ... es ist alles etwas grell geraten, aber ja: Irgendwie passend in diesem Zusammenhang und es ist genau das Foto, das OB Rother auch bekommen hat.