Hilfe für Shams

Diese Woche fand die zweite Sammelabschiebung zurück nach Afghanistan statt – unter den 26 Flüchtlingen ist auch Shams aus Passau-Grubweg. Der junge Shams befand sich wegen eines Traumas, das er bei einem Anschlag in Afghanistan erlitten hat in Behandlung, bekam Medikamente gegen Depressionen und wurde von einem evangelischen Pfarrer seelsorgerisch betreut. Als die Polizei ihn aus der Unterkunft holte, durfte er aber weder sein Hab und Gut noch Medikamente mitnehmen, auch durfte niemand aus seinem Bekanntenkreis den jungen Mann vor seiner Abschiebung besuchen. Aus Kabul erreichte uns jetzt am Mittwoch Shams Hilferuf per Handy: Er habe kein Geld, keine Medikamente, keine Kontaktperson und das Schlimmste – seine Familie sei nicht mehr in Afghanistan, sondern in den Iran geflohen. Der Freundeskreis Firmiangut versucht jetzt aus seiner kleinen Kasse Shams das Nötigste zu finanzieren. Wir wollen sie dabei unterstützen und sammeln gemeinsam mit ihnen Geld für Shams. Alle Beträge, seien sie noch so klein, sind uns und Shams eine große Hilfe – gespendet werden kann an das Konto der Kath. Pfarrkirchenstiftung, Stichwort „Freundeskreis Firmiangut Nothilfe“. Die Kontonummer lautet DE07 7509 0300 0104 3335 86 BiC: GENODEF1M05.

Diesen emotionalen Aufruf veröffentlichte am Mittwoch der evangelische Pfarrer i.R. Klaus Peter Metzger:

AUCH IN PASSAU WURDE GESTERN ABGESCHOBEN!
ES IST ALS OB SHAMS UNS ENTFÜHRT WORDEN IST!
KEIN Straftäter wurde hier gestern abgeschoben,
sondern SHAMS, EIN KRANKER JUNGER MANN, der unter einem attestierten posttraumatischen Belastungssyndrom, einer verkrüppelten Hand und mehreren Verwundungen am Körper durch einen Bombenanschlag in Afghanistan leidet und deshalb Ende 16 mehrere Wochen in Passau stationär in der Klinik war. Er ist gestern früh in der GU Grubweg von der Polizei festgenommen und nach Kabul abgeschoben worden. Heute und morgen wären weitere wichtige medizinische Untersuchungen in Passau und Deggendorf angestanden. Er durfte weder seine Medikamente noch seine persönlichen Sachen mitnehmen.
Mir selber als Pfarrer wurde von der Zentralen Ausländerbehörde in Deggendorf verweigert, ihn noch einmal als Seelsorger zu besuchen, obwohl ich ihn ein Jahr lang sehr intensiv begleitet habe!
Rechtsanwältin P. Haubner hat sehr sehr schnell reagiert! Aber ihr Eilantrag und ihre Verfassungsbeschwerde wurden abgelehnt.
Shams war gerade medikamentös soweit eingestellt, um seine Retraumatisierung behandeln zu können. Ohne diese weitere medizinisch-psychologische Betreuung und die Unterstützung von Menschen mache ich mir die allergrößten Sorgen, was dort in Kabul aus dem jungen Mann werden wird, an dem Ort, wo er sein Trauma erlitten hat.
Ich habe ihn noch vor Wochen hier in einem vollkommen hilflosen und orientierungslosen Zustand erleben müssen, der nur durch entsprechende Medikamente sich gebessert hatte.
Der stille bescheidene junge Mann hatte, als er am Ende seiner zwei jährigen Flucht 2011 nach Deutschland kam, erst keine Unterstützer, die ihm halfen sich zurecht zu finden. Als sich im Herbst 2015 der Helferkreis in der GU gegründet hatte, war er sehr froh, Menschen zu haben, an die er sich wenden konnte.
Aus Unwissenheit und Scham hatte er 2012 bei der Befragung durch das BAMF seine Ängste durch erlittene Gewalt und die Ermordung des Vaters verschwiegen und danach hatte er, orientierungslos, wie er war, den Klagetermin gegen die Ablehnung in Regensburg versäumt, weil er in den falschen Zug eingestiegen war.
Erst im Sommer 2016, als er mir über seine jahrelange Schlaflosigkeit und seinen Gedächtnisverlust berichtete, wurde er dann das erste Mal deswegen ärztlich untersucht und medikamentös behandelt.
Ich habe noch vor Augen, wie er das erste mal seit langem kurz vor Weihnachten mich angelächelt hat!
Jetzt, wo endlich eine Perspektive entstanden war, dass er Verständnis, Erholung und Heilung von seinen körperlichen und seelischen Verletzungen bei uns finden kann, wurde er gewaltsam herausgerissen, weil er auf einer Liste stand, die irgendjemand unterschrieben hat, der nicht genant sein möchte.
Jeden, den ich gestern bei den Ausländerbehörden fragte, sagte, er sei nur ausführendes Organ, tue nur seine Pflicht, jemand anders habe das unterschrieben, den er nicht nennen könne.
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Momentan können wir keinen Kontakt zu Shams aufnehmen um zu wissen wie es um ihn steht und sind entsetzt und empört, dass so etwas möglich ist in unserem Land!
ES IST ALS OB SHAMS UNS ENTFÜHRT WORDEN IST!

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